ERINNERUNGSKULTUR – Veranstaltungsreihe zum 9. November 1938

Über achtzig jüdische Deutsche lebten zu Beginn der dreißiger Jahre in Lich, das seinerzeit eine Einwohnerzahl von etwas über zweitausend Menschen hatte. Ihre Namen waren Bamberger, Bing, Chambré, Goldschmidt, Isaak, Katz, Lind, Oppenheimer, Sommer, Stiefel, Windecker… Sie wohnten mit ihren Familien in der Braugasse, der Gießener Straße, Ober- und Unterstadt, der Butzbacher Straße (jetzt Kolnhäuser Straße), der Bahnhofstraße, der Seelenhofgasse. Ihre Wohnhäuser stehen noch heute.

Der erste organisierte Pogrom in Lich fand bereits in der Nacht vom 12. auf den 13. März 1933 statt. Dreißig der Jüdinnen und Juden Lichs flohen vor der Bedrohung durch die Nazis, die Anderen wurden Opfer des Pogroms am 9. November 1938 und in der Folgezeit deportiert. Die Ziele der Deportation – soweit bekannt – waren Auschwitz, Sobibor, unbekannte Vernichtungslager in Polen, Minsk, Lódz, Izbica, Riga, Theresienstadt und Buchenwald. Viele der kurz nach 1933 Geflohenen wurden ebenfalls umgebracht, nur wenige überlebten den Massenmord…

Auszug aus dem 1998 von Klaus Konrad-Leder (Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung) geschriebenen Text anlässlich der ersten Veranstaltungsreihe

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