SLEEPING SCREENS – Ausstellung bis Ende August 2020

Das Foto von der Anzeigetafel in Lich gibt es mittlerweile auch als Postkarte. REPRO: NAB
Das Foto von der Anzeigetafel in Lich gibt es mittlerweile auch als Postkarte. REPRO: NAB © Nastasja Becker

Lich(nab). Amsterdam, London, New York, Wien, Melbourne, Berlin und Lich – in allen Städten war von einem auf den anderen Tag Schluss mit dem Kinobetrieb. Im März mussten die Kinos bundesweit infolge der Coronavirus-Pandemie ihren Betrieb einstellen. Doch manche nutzen ihre Anzeigetafeln am Kinoeingang, um Botschaften zu übermitteln. Die Fotoausstellung “Sleeping Screens” in der Kinokneipe “Statt Giessen” in Lich zeigt nun gut 25 dieser Zitate und Botschaften.

Gesammelt haben die Bilder Simon Dickel und Martin Erlenmaier aus Berlin. Erlenmaier betreibt dort das “Bundesplatz-Kino”. “Klein, fein und mit 87 Sitzplätzen”, beschrieb er es am Freitagabend bei der Vernissage in Lich.

“Weil bei der Stecktafel keine Filme mehr stehen konnten, haben wir überlegt, was wir nun mit den Buchstaben machen”, erzählt er über die Anfänge von “Sleeping Screens”. “Irgendwann haben wir uns einen Spaß daraus gemacht und sind zu den anderen Kinos gefahren, um zu gucken, was sie gemacht haben.”

Daraus ist ein Selbstläufer geworden. Nach einem Internet-Aufruf schickten bisher mehr als 60 Kinos aus aller Welt Fotos von ihren Anzeigentafeln.

Und die Kinos sind ganz unterschiedlich: Von kleinen Häusern mit einem Saal bis hin zu größeren, von Kinos die Mainstream-Filme im Programm haben, bis hin zu Programmkinos. Einer der ersten Einsender war das Kino Traumstern in Lich, das mit “Don’t lose the humour” ein Toni-Erdmann-Zitat an seiner Steckwand präsentierte und den beiden Berlinern schon von diversen Preisverleihungen ein Begriff war.

“Generell lassen sich sogar regionale Unterschiede ausmachen”, erzählt Simon Dickel über die Einsendungen. “In Hamburg zum Beispiel scheint es gar keine Stecktafeln mit Metallbuchstaben zu geben.” Und wahrscheinlich fanden sich nun zum ersten Mal auch politische Statements dort, wo sonst Filmtitel zu lesen sind, sagt der Professor für Amerikanistik mit Blick auf die Kinos, die die Botschaft “Black Lives Matter” auf ihre Tafeln gesteckt hatten. “Man konnte von außen sehen, dass die Kinos mit Liebe gemacht werden”, fügt Erlenmaier hinzu. “Das ist Leidenschaft und sie kann man nicht aufwiegen mit dem, was man verdient.”

“Es war für uns eine schöne Beschäftigung, die Fotos zu sammeln”, sagt der Kinobetreiber. “Aber vor allem war es psychologisch auch wichtig zu erfahren, wie sehr man als Kino gemocht wird.” Wir wollten zeigen, dass die Kinos trotz des Lockdowns weiter lebendig sind.

Seit Kurzem haben auch die Berliner ihr Kino wieder geöffnet. Doch statt der 87 Sitzplätze, finden wegen der erforderlichen Hygiene- und Abstandsregeln zurzeit nur noch 24 Besucher Platz, sagt Erlemaier. Dennoch ist er froh, dass der Spielbetrieb weitergeht. “Das Kino ist einfach nicht dazu gemacht, alleine zu gucken.”

Mehr Fotos zum Projekt “Sleeping Screens” unter www.sleepingscreens.com.

SLEEPING SCREENS – Ausstellung bis Ende August 2020

Grüße auf Stecktafeln im Kino Traumstern zu sehen

Die Ausstellung zeigt “Sleeping Screens” kreative Einfälle an geschlossenen Kinos. Traumstern mit Spruch aus “Toni Erdmann” auch dabei.

Von Heiner Schultz
Versprochen und gehalten: Etliche Kinos nutzten die Stecktafeln für Grüße. Fotos davon sind nun in Lich zu sehen.  Repro: Schultz

Versprochen und gehalten: Etliche Kinos nutzten die Stecktafeln für Grüße. Fotos davon sind nun in Lich zu sehen. Repro: Schultz

LICH. Auch die Betreiber des Bundesplatzkinos in Berlin traf die Krise ins Herz, und sie mussten zunächst schließen. Um die Lage kreativ zu verarbeiteten, begannen sie damit, geschlossene Kinos in der Hauptstadt von außen zu fotografieren und die Bilder zu einer Ausstellung zusammenzustellen. Jetzt sind die “Sleeping Screens” in der Kinokneipe Statt Gießen angekommen. Das Interesse des Publikums bei der Eröffnung war groß, als die Ausstellungsmacher Martin Erlenmaier und Simon Dickel von der Entstehung der Schau berichteten.
Künstlerisch firmieren sie unter “Gruppe Karin Dor”. Doch sie haben nicht nur die geschlossenen Lichtspielhäuser in Berlin mit den jeweiligen Botschaften auf den Anzeigentafeln fotografiert, sondern auch weltweit dazu eingeladen, ihnen solche Aufnahmen zu schicken. Das Besondere waren dabei die so genannten Stecktafeln. Darauf sind sonst in großen Lettern die Filmtitel und weitere Informationen auf den ersten Blick zu sehen.
Mehr als 60 Kinos sind mittlerweile auf der Webseite “Sleeping Screens” in tadelloser Qualität vertreten. Eine Auswahl ist in der Ausstellung zu sehen, die ermöglicht und organisiert wurde von Anika Wagner, die den Abend auch morderierte. Die Bilder stammen von überall aus der Welt: etwa aus Wien, London, Amsterdam, Bern, Los Angeles, New York. Die Botschaften ähneln einander – die Kinomacher haben überall die gleichen Schwierigkeiten.
“Wir wussten ja nach dem Anfang des Lockdowns zunächst gar nicht, wie lange das geht”, erzählte Rainer Erlenmaier, Co-Betreiber des Berliner Bundesplatzkinos, der gemeinsam mit Simon Dickel die Ideen umsetzte und die Fotos erstellte. “Wir sind dann die Berliner Kinos abgefahren, um erstmal ein Bild der Lage zu bekommen”, schilderte er. “Berlin war zu der Zeit wirklich eine tote Stadt”, ergänzte Dickel. “Plötzlich ist niemand mehr auf die Straße gegangen”. Die beiden nahmen sich vor, zu fotografierten, was sie sahen, und baten Freunde und Bekannte, ihnen weitere Bilder der Tafeln geschlossener Kinos zu schicken, “Das geschah jeweils durch einen persönlichen Kontakt.” Erlenmaier fügte hinzu: “Da entstand ja auch eine Art Leinwand. Das Traumstern war übrigens das erste Kino, das uns ein Foto seiner Tafel geschickt hat. Die waren uns schon ein Begriff als Programmkino der Oberklasse, da kommen wir nicht ganz ran”, lobte er die Arbeit der Licher Cinemaaktivisten. “Euer Kino ist wirklich ganz großartig”. Das Bild zeigt den Satz “Don’t lose the humour”, ein Zitat aus dem Film “Toni Erdmann”.
Schwierig war dann auch die Wiedereröffnung am 1. Juli mit begrenzter Platzzahl wegen der Hygienebeschränkungen. “24, wenn’s top läuft, es können aber auch nur 13 reinpassen. Man muss jetzt einfach mehr machen”, sagte Erlenmaier. “Wir haben für unsere Aktion ganz viel Zuwendung erhalten,” ergänzte Dickel. Nach dem Gespräch vor und mit dem Publikum im lauschigen Gartenlokal neben dem Kino trat das Licher Duo “The Naturehood” auf (Motto: “Unconditional music to love yourself!”). Jonas Noll (Gesang, Gitarre, Keyboard) und Maren Fischer (Gesang) legten einen Set aus zumeist selbst geschriebenen Songs vor und zeigten jede Menge Energie.
Und wie kamen sie eigentlich darauf, der Gruppe den Namen “Karin Dor” zu geben? Die deutsche Schauspielerin (1938-2017) war einst im deutschen Unterhaltungsfilm, wie Karl-May-Verfilmungen und zahllosen anderen Produktionen, sowie im Fernsehen überaus populär. “Ach, das kam zufällig durch eine Postkarte, auf der sie abgebildet war”, erklärte Erlenmaier. “Die fiel uns in die Hände, und da kam dann der Name.” Zur aktuellen Wiedereröffnung legte man im Berliner Bundesplatzkino eine Reihe mit Klassikern auf, “die jetzt etwa bei Universal und Studiocanal gegen eine geringe Mindestgarantie zu erhalten sind” – digitalisiert und in deutscher Fassung. “Das wollten wir schon immer machen, es war aber bisher kaum zu bezahlen”, seufzte er. Auch ihre Ausstellung hätten die Licher Kinomacher als erste in Deutschland eingeladen, sagte er, “Es sind noch weitere Interessanten für die ungewöhnliche Schau aufgetaucht.
Die auf den Anzeigetafeln präsentierten Texte sind einerseits ein kleiner Rundblick über die Welt des Kinos, man sieht viele geradezu traumhaft nostalgische Fassaden – es gibt also durchaus noch traditionelle Lichtspielhäuser neben den Abspielkolossen. Zum anderen drücken sie auch den Durchhaltewillen, die konstruktive Einstellung und den unverwüstlichen Humor der Kinoleute aus, was man auch an vielen der Inhalte sieht. Beispiel Tafeltext Cine Club Bern: “Sind kurz weg, Klopapier holen.” Und am Bundesplatz Studio Berlin stand: “Erst renovieren, dann projizieren”. Die Bilder können für 30 Euro pro Stück erworben werden, darin sind 10 Euro Solidaritätsbeitrag fürs Kino Traumstern enthalten.

 

Kultursommer Mittelhessen schickt einen Engel

Der Kultursommer Mittelhessen stellt den Beginn des Festivals unter den Schutz eines Engels. Am 14. Juni startet Cosmo Calexika, ein Engel auf dem Fahrrad, um die Menschen auf seinen Touren durch die Region zu erfreuen und zu ermutigen. Etliche Veranstaltungen können wie geplant trotz Corona durchgeführt werden, bei viele anderen wird improvisiert, so Geschäftsführer und Intendant Frank Dauer.
Engel Cosmo radelt durch die Region.  Foto: Kultursommer Mittelhessen

Engel Cosmo radelt durch die Region. Foto: Kultursommer Mittelhessen

Wetzlar (gh). Besondere Zeiten wie diese erfordern besondere Maßnahmen. Der Kultursommer Mittelhessen stellt den Beginn des Festivals unter den Schutz eines Engels. Am 14. Juni startet Cosmo Calexika, ein Engel auf dem Fahrrad, um die Menschen auf seinen Touren durch die Region zu erfreuen und zu ermutigen. Sie kommt dort hin, wo die Menschen leben und sich wünschen könnten, dass der Engel sie besucht – mit Abstand, versteht sich.
Etliche Veranstaltungen können wie geplant trotz Corona durchgeführt werden, bei vielen anderen wird improvisiert, so der Geschäftsführer und Intendant des Kultursommers Mittelhessen, Frank Dauer.
Um den Hygieneregeln entsprechen zu können, gibt es zwei große Änderungen: Zum einen wurde der übliche Förderzeitraum für Kultursommer-Veranstaltungen bis Ende Herbst 2020 erweitert. Dies gibt den Veranstaltern die Möglichkeit, ihre Events zu verschieben und so mehr Zeit für eine gründliche Neuplanung zu haben. Zum anderen stellt der Kultursommer den beteiligten Vereinen an mehreren Orten in der Region eine große Bühne inklusive passender Technik “auf der grünen Wiese” zur Verfügung. Hier können dann die Aufführungen unter Einhaltung der Hygienevorgaben mit bis zu 100 Zuschauern stattfinden. Derzeit werden Live-Bühnen in Wettenberg, Münzenberg, Wetzlar, Ortenberg, Marburg, Staufenberg und Lauterbach geplant.
Das aktuelle Programm ist online einsehbar
“Wir haben somit eine Win-Win-Win-Win-Situation”, sagt Dauer. Nicht nur die Zuschauer, die endlich wieder Live-Veranstaltungen erleben können, profitieren davon, sondern die Künstler haben bezahlte Auftritte und damit auch deren Agenturen Einnahmen. “Außerdem können wir Aufträge an Bühnenbauer und Veranstaltungstechniker erteilen, die ebenso unter der Krise leiden.” Und als fünftes “Win” freut sich natürlich auch der Kultursommer Mittelhessen, trotz Corona seiner Aufgabe, der Förderung von Kunst und Kultur in Mittelhessen, nachkommen zu können.
Über das aktuelle Programm des Kultursommers und des Jungen Kultursommers kann man sich derzeit nur digital informieren. Das ursprüngliche Programm unterliegt noch Änderungen und auf den Kultursommer-Bühnen kommen täglich neue Punkte hinzu. Unter https://kultursommer-mittelhessen.de findet man den aktuellen Stand.

 

Ein Engel auf dem E-Bike

Im Porträt: Karla Katja Leisen ist kulturell auf vielen Feldern aktiv – am Sonntag eröffnet sie den Kultursommer Mittelhessen in Lich.

Von Ursula Hahn-Grimm
Als "Engel auf Rädern" bald unterwegs, um den Kontakt mit den Menschen in der Region zu suchen: die Licherin Karla Katja Leisen. Foto: Ursula Hahn-Grimm

Als “Engel auf Rädern” bald unterwegs, um den Kontakt mit den Menschen in der Region zu suchen: die Licherin Karla Katja Leisen. Foto: Ursula Hahn-Grimm

LICH. Sie wohnt noch nicht einmal fünf Jahre im Ort, und doch ist sie den Bewohnern der Stadt längst keine Unbekannte mehr. Ob als Engel auf dem Fahrrad oder als Performerin am großen Gong: Karla Katja Leisen ist aus dem kulturellen Leben Lichs nicht mehr wegzudenken. Die Künstlerin und Pädagogin ist zudem seit 2017 auch Vorsitzende des Vereins künstLich und damit eine der wichtigsten Initiatorinnen des kulturellen Geschehens.
Eine beliebte Veranstaltungsreihe der Stadt, die “Licher Kulturtage”, war gerade in voller Fahrt, als die Coronakrise einsetzte, berichtet Karla Leisen im Gespräch. Mitte März wurden die restlichen Veranstaltungen abgesagt, doch allmählich läuft das kulturelle Leben wieder an.
Vorsitzende seit 2017
“Sternförmig in einer besonderen Zeit – Ein Engel auf Rädern” heißt es am Sonntag, 14. Juni, um 11 Uhr am Kino Traumstern. Zum Start laden gleich zwei Veranstalter ein: Der Verein künstLich und der Mittelhessische Kultursommer. Und Karla Katja Leisen ist mittendrin dabei, als Engel Cosmo Calexika, der mit seinem Fahrrad von Ort zu Ort fährt und mit den Menschen Kontakt aufnimmt. “Engel können fliegen, Türen öffnen und Überbringer von Mythen, Geschichten und Geschenken sein”, beschreibt die Künstlerin den Auftrag, den sie als Cosmo Calexika erfüllt. Sie ist eine Kunstfigur, eine Mischung aus Aspekten des Engels und des Clowns, etwas fürs Herz. Dazu passt auch gut die kölsche Mundart, die sie (neben dem Hochdeutschen) bestens beherrscht.

Engel Cosmo Calexika startet am Sonntag, 14. Juni, um 11 Uhr am Licher Kino Traumstern. Ihre Tour: Pohlheim-Watzenborn-Steinberg – Linden – Hüttenberg – Wetzlar. Am Samstag, 27. Juni radelt Cosmo Calexika von Lich nach Birklar, Bettenhausen, Trais Horloff, Bad Salzhausen, Rodheim, Hungen und Langsdorf. Wer den Engel treffen mag oder jemanden überraschen will, meldet sich unter: info@kuenstLich-eV.de oder Telefon 01 76-63 48 19 37.

Am 27. Juni um 20 Uhr heißt es “Rhythms of Live” mit Murat Coscun und Gästen, Schloss Eisenbach, Lauterbach. “Sweet Ohm on the Nidda” heißt es ab 20 Uhr mit Nikotron im Vulkaneum in Schotten.

Am 28. Juni, 15 Uhr, gastiert das “Balladeire-Quartett” im Atrium Kulturzentrum Buseck.

kultursommer-mittelhessen.de

Denn Karla Katja Leisen stammt aus der Rhein-Metropole. Dort wurde sie geboren, dort besuchte sie die Schule und machte ihr Abitur. Und: In Köln trat sie auch als Schülerin erstmals auf einer Bühne auf, als Tänzerin, die in der Gruppe oder in kleinen Solostücken ihr Publikum begeisterte.
Der Kunst- und Kulturszene blieb sie auch nach dem Abitur treu: Sie studierte Sozialpädagogik und Kunsttherapie an der Kölner Universität, arbeitete in der Jugendhilfe und in der Stadtteilarbeit, organisierte ein Kulturcafé. 2002 schloss sie eine Ausbildung zur Theaterpädagogin an und übernahm Jobs in der Freien Theaterszene, dabei hatte sie auch viel mit Licht- und Rauminstallation zu tun.
Doch Karla Katja Leisen blieb neugierig und offen für neue Herausforderungen. 2005 startete sie eine Ausbildung als Bühnenclownin, 2007 schließlich verließ sie die Stadt am Rhein, um nach Darmstadt zu wechseln. Auch hier war die Schauspielerin auf vielen künstlerischen Ebenen aktiv. 2016 folgte schließlich der Umzug nach Lich. Hier arbeitete sie wieder als Clownin, gab Kurse und stieg langsam in die ehrenamtliche Arbeit beim Verein künstLich ein. Seit 2018 arbeitet sie mit einer halben Stelle im Kinderheim der ev. Stiftung Arnsburg.
Und dann entdecke sie einen weiteren Bereich der Kunst, der fortan eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen sollte: Zusammen mit ihrer Freundin Susanne Ines Schmid veranstaltete sie Gongkonzerte und Klanginstallationen, zu hören war die Formation “Sukawave” entweder im Hofgut Kolkhausen oder im Kulturzentrum Bezalel Synagoge. Ebendort war im Rahmen der Licher Kulturtage ein weiteres Gongkonzert geplant, als der Shutdown jeden öffentlichen Auftritt unmöglich machte.
Für Karla Katja Leisen kein Grund zur Resignation. Als Vorstandsmitglied von künstLich bleibt genug zu tun. Der Verein soll verjüngt werden, eine neue Website wird derzeit erstellt, zudem soll ein vierteljährlicher Flyer in Umlauf gebracht werden. Ein wichtiger Punkt bleibt die Zusammenarbeit mit dem Kino Traumstern. Die Künstlerin glaubt, aufgrund ihrer Erfahrungen in der Vorstandsarbeit bei in:takt Köln und der Freien Szene Darmstadt einiges an Ideen und organisatorischer Arbeit beitragen zu können.
Am Sonntag steht nun der Start des Mittelhessischen Kultursommers an. Dabei wird Karla Katja Leisen in ihrer Rolle als Cosmo Calexika zu erleben sein. Für ihr Projekt “Sternförmig – Ein Engel auf Rädern” wurde sie im September 2019 mit dem Förderpreis “Kulturregion Landkreis Gießen” ausgezeichnet. Cosmo Calexika, zu erkennen an ihren goldenen Flügeln und dem goldenen Helm, startet, welch ein Kontrast, mit ihrem modernen E-Bike vom Kino Traumstern aus zur Fahrt über Land. Im Gepäck allerlei himmlische Überraschungen. Abfahrt ist um 11 Uhr, es wird auch die Vorsitzende des Mittelhessischen Kultursommers, Sybille Atzbach, erwartet.

Das Kino Traumstern öffnet am Freitag, 15. Mai 2020 mit Abstand

Alles ganz anders: Maximal 50 statt 192 Plätze bietet das Kino Traumstern bis auf weiteres. Pro Sitzreihe dürfen zwei Zuschauer Platz nehmen, abwechselnd am neu geschaffenen Mittelgang oder außen. Gelbe Zettel helfen bei der Orientierung. FOTO: US

Kino auf Abstand

So nimmt das Kino Traumstern am Freitag wieder den Spielbetrieb auf

Als erstes Kino im Landkreis öffnet das Traumstern im Lich wieder. Dafür haben die Verantwortlichen einiges umgestaltet. Sie gehen davon aus, dass Distanz noch lange oberstes Gebot sein wird.

Zum Abschluss gab es noch einmal ganz großes Kino. Mit dem mehrfachen Oscar-Gewinner “Parasite” verabschiedete sich das Kino Traumstern am 17. März nach der Spätvorstellung in die Corona-Zwangspause. Jetzt, zwei Monate später, gehen die Licher wieder an den Start. Am morgigen Freitag um 17.30 Uhr wird sich erstmals wieder der rote Vorhang vor der großen Leinwand öffnen.

Auf die Zuschauer wartet neben dem Film “Die perfekte Kandidatin” ein Kinoerlebnis der ungewohnten Art. Sie werden sich zu zweit oder sogar allein in einer Reihe wieder finden. Sie werden den Saal mit Maske durchs Foyer betreten und ebenfalls mit Maske durch eine Seitentür verlassen. Und sie werden vor der Vorstellung Name, Adresse und Telefonnummer hinterlegen müssen, damit im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus alle Besucher informiert werden können.

So sieht es das Abstands- und Hygienekonzept vor, das das Traumstern-Team in den vergangenen Tagen auf Grundlage der Verordnung der Landesregierung erarbeitet hat. Wie es funktioniert, wird sich zeigen. “Wir müssen uns gemeinsam mit unserem Publikum langsam vortasten”, sagt Kinobetreiber Edgar A. Langer.

Jeweils die mittleren drei Sessel wurden herausmontiert

Langer, sein Kollege Hans Gsänger und ihre Mitarbeiter haben lange am neuen Konzept getüftelt und den Kinosaal und das Foyer so umgestaltet, dass die Leute sich nicht zu nahe kommen. Die räumlichen Gegebenheiten mit nur einem einzigen großen Kinosaal – in normalen Zeiten eher von Nachteil – kamen ihnen in der aktuellen Situation zugute.

“Man liegt zwei Tage mit Werkzeug am Boden und schleppt schwere Sachen” – so beschreibt Gsänger die zurückliegenden Arbeitstage. Das Team hat aus jeder Sitzreihe die jeweils mittleren drei Sessel herausmontiert. So ist ein Mittelgang entstanden und die Zahl der Reihen hat sich verdoppelt. In jeder können, mal innen, mal außen, maximal zwei Leute mit dem gebotenen Abstand zu anderen Zuschauern Platz nehmen.

“Diesen Aufwand betreibt man nicht für ein paar Tage”, sagt Edgar Langer. Er und sein Kollege stellen sich darauf ein, dass Distanz noch für mehrere Monate geboten sein wird. “Wir alle müssen jetzt üben, wie man sich ein bisschen in Richtung Normalität bewegt.”

Förderaler Flickenteppich für Filmbranche ein Desaster

Einfach wird das nicht, denn nicht nur die Abstands- und Hygieneregeln machen den Kinos das Leben schwer. Dass jedes Bundesland anders mit der Corona-Krise umgeht, findet Gsänger nachvollziehbar und im Prinzip gut. “Die Infektionsgefahr ist ja auch unterschiedlich.” Aber für die Filmbranche sei dieser föderale Flickenteppich ein Desaster, den sie agiere bundesweit.

Heißt konkret: Solange nicht überall die Kinos wieder geöffnet sind, gehen viele neue Produktionen gar nicht erst an den Start. In Lich macht man sich darüber weniger Sorgen. “Wir hatten ohnehin vor, die Filmpreis-Gewinner zu zeigen. Die sind fast alle schon angelaufen”, sagt Langer.

Langer: “Gerettet hat uns das Publikum”

Auf die zurückliegenden zwei Monate blicken die Licher mit gemischten Gefühlen. Natürlich sei die Verunsicherung groß gewesen. Aber es habe sich auch Kreatives entwickelt, sagt Gsänger mit Verweis auf die im Kino aufgezeichneten Quarantine-Sessions, die auf Youtube zu sehen sind.

Zudem sei die Solidarität des Publikums einfach großartig gewesen. Viele Leute haben zur Unterstützung Zehnerkarten gekauft. “Und fast alle haben aufmunternde Worte dazu geschrieben,” erzählt Langer. “Wir haben auch Soforthilfe vom Land bekommen. Aber gerettet hat uns unser Publikum.”

Mit dem Kino soll morgen nach Möglichkeit auch die benachbarte Kneipe “Statt Gießen” wieder an den Start gehen. “Wir gehören zusammen, deshalb wollen wir gerne gemeinsam öffnen”, sagt Ulla Limberger vom Vorstand der Kulturgenossenschaft. Ob es tatsächlich am Freitag losgehen kann, erfährt man aktuell auf der Homepage www. kulturgenossenschaft-lich.de.

Kooperationsbereitschaft der Gäste

Wie nebenan im Kino werden auch hier vorerst strenge Abstandsregelungen gelten. Maximal 20 Personen dürfen sich gleichzeitig im Raum aufhalten, die Stühle sind genau abgezählt. Und an jedem Tisch dürfen nur Mitglieder aus nicht mehr als zwei verschiedenen Haushalten Platz nehmen. “Den Stammtisch haben wir gleich weggeräumt”, berichtet Limberger.

Spanische Spezialitäten soll es aber wieder geben, wenn auch mit reduzierter Karte und gerne auf Vorbestellung. Genau wie im Traumstern setzt man in der Kinokneipe auf die Kooperationsbereitschaft der Gäste. In diesem Punkt sind sich alle einig: Der ersehnte Schritt in Richtung Normalität kann nur gemeinsam gelingen.