Einladung zur digitalen Ausstellung Anahita Parhami und Lesung “Es pocht eine Sehnsucht…” Live Stream 12. November 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir laden SIe herzlich ein zur ersten digitalen Ausstellung und Livestream Veranstaltung am Donnerstag, 12. November 2020 im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum “9. November 1938” in Lich

ANAHITA PARHAMI – Kunstausstellung im November 2020
ein Film von Anika Danielle Wagner

Besichtigungen können gerne stattfinden: info@kuenstlich-ev.de – die Ausstellung ist November 2020 in der Kinokneipe Statt Gießen sichtbar.

„Was geschah, ist eine Warnung, sie zu vergessen ist Schuld.
Man soll ständig an sie erinnern. Es war möglich, daß dies geschah – und es bleibt möglich.
Nur im Wissen kann es verhindert werden.“
Karl Jaspers

ES POCHT EINE SEHNSUCHT AN DIE WELT – Sven Görtz liest Texte jüdischer Autor*innen I Diese Veranstaltung wird digital ausgestrahlt. I Lesung I in Kooperation mit der VHS Landkreis Gießen I

Sven Görtz Philosoph, Sprecher und Sänger
liest Texte von Hilda Stern Cohen, Else Lasker Schüler, Heinrich Heine
Anka Hirsch Cello
Grußwort: Landrätin Anita Schneider

Donnerstag, 12. Nov. 2020, 19.00-20.00 Uhr
Link zum Youtube-Livestream: https://youtu.be/8JxjyhLrRpE

Eine Kooperation von künstLich e.V., der vhs Landkreise Gießen, Arbeit und Leben und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Justus-Liebig-Universität Gießen

 

SLEEPING SCREENS – Ausstellung bis Ende August 2020

Das Foto von der Anzeigetafel in Lich gibt es mittlerweile auch als Postkarte. REPRO: NAB
Das Foto von der Anzeigetafel in Lich gibt es mittlerweile auch als Postkarte. REPRO: NAB © Nastasja Becker

Lich(nab). Amsterdam, London, New York, Wien, Melbourne, Berlin und Lich – in allen Städten war von einem auf den anderen Tag Schluss mit dem Kinobetrieb. Im März mussten die Kinos bundesweit infolge der Coronavirus-Pandemie ihren Betrieb einstellen. Doch manche nutzen ihre Anzeigetafeln am Kinoeingang, um Botschaften zu übermitteln. Die Fotoausstellung “Sleeping Screens” in der Kinokneipe “Statt Giessen” in Lich zeigt nun gut 25 dieser Zitate und Botschaften.

Gesammelt haben die Bilder Simon Dickel und Martin Erlenmaier aus Berlin. Erlenmaier betreibt dort das “Bundesplatz-Kino”. “Klein, fein und mit 87 Sitzplätzen”, beschrieb er es am Freitagabend bei der Vernissage in Lich.

“Weil bei der Stecktafel keine Filme mehr stehen konnten, haben wir überlegt, was wir nun mit den Buchstaben machen”, erzählt er über die Anfänge von “Sleeping Screens”. “Irgendwann haben wir uns einen Spaß daraus gemacht und sind zu den anderen Kinos gefahren, um zu gucken, was sie gemacht haben.”

Daraus ist ein Selbstläufer geworden. Nach einem Internet-Aufruf schickten bisher mehr als 60 Kinos aus aller Welt Fotos von ihren Anzeigentafeln.

Und die Kinos sind ganz unterschiedlich: Von kleinen Häusern mit einem Saal bis hin zu größeren, von Kinos die Mainstream-Filme im Programm haben, bis hin zu Programmkinos. Einer der ersten Einsender war das Kino Traumstern in Lich, das mit “Don’t lose the humour” ein Toni-Erdmann-Zitat an seiner Steckwand präsentierte und den beiden Berlinern schon von diversen Preisverleihungen ein Begriff war.

“Generell lassen sich sogar regionale Unterschiede ausmachen”, erzählt Simon Dickel über die Einsendungen. “In Hamburg zum Beispiel scheint es gar keine Stecktafeln mit Metallbuchstaben zu geben.” Und wahrscheinlich fanden sich nun zum ersten Mal auch politische Statements dort, wo sonst Filmtitel zu lesen sind, sagt der Professor für Amerikanistik mit Blick auf die Kinos, die die Botschaft “Black Lives Matter” auf ihre Tafeln gesteckt hatten. “Man konnte von außen sehen, dass die Kinos mit Liebe gemacht werden”, fügt Erlenmaier hinzu. “Das ist Leidenschaft und sie kann man nicht aufwiegen mit dem, was man verdient.”

“Es war für uns eine schöne Beschäftigung, die Fotos zu sammeln”, sagt der Kinobetreiber. “Aber vor allem war es psychologisch auch wichtig zu erfahren, wie sehr man als Kino gemocht wird.” Wir wollten zeigen, dass die Kinos trotz des Lockdowns weiter lebendig sind.

Seit Kurzem haben auch die Berliner ihr Kino wieder geöffnet. Doch statt der 87 Sitzplätze, finden wegen der erforderlichen Hygiene- und Abstandsregeln zurzeit nur noch 24 Besucher Platz, sagt Erlemaier. Dennoch ist er froh, dass der Spielbetrieb weitergeht. “Das Kino ist einfach nicht dazu gemacht, alleine zu gucken.”

Mehr Fotos zum Projekt “Sleeping Screens” unter www.sleepingscreens.com.

SLEEPING SCREENS – Ausstellung bis Ende August 2020

Grüße auf Stecktafeln im Kino Traumstern zu sehen

Die Ausstellung zeigt “Sleeping Screens” kreative Einfälle an geschlossenen Kinos. Traumstern mit Spruch aus “Toni Erdmann” auch dabei.

Von Heiner Schultz
Versprochen und gehalten: Etliche Kinos nutzten die Stecktafeln für Grüße. Fotos davon sind nun in Lich zu sehen.  Repro: Schultz

Versprochen und gehalten: Etliche Kinos nutzten die Stecktafeln für Grüße. Fotos davon sind nun in Lich zu sehen. Repro: Schultz

LICH. Auch die Betreiber des Bundesplatzkinos in Berlin traf die Krise ins Herz, und sie mussten zunächst schließen. Um die Lage kreativ zu verarbeiteten, begannen sie damit, geschlossene Kinos in der Hauptstadt von außen zu fotografieren und die Bilder zu einer Ausstellung zusammenzustellen. Jetzt sind die “Sleeping Screens” in der Kinokneipe Statt Gießen angekommen. Das Interesse des Publikums bei der Eröffnung war groß, als die Ausstellungsmacher Martin Erlenmaier und Simon Dickel von der Entstehung der Schau berichteten.
Künstlerisch firmieren sie unter “Gruppe Karin Dor”. Doch sie haben nicht nur die geschlossenen Lichtspielhäuser in Berlin mit den jeweiligen Botschaften auf den Anzeigentafeln fotografiert, sondern auch weltweit dazu eingeladen, ihnen solche Aufnahmen zu schicken. Das Besondere waren dabei die so genannten Stecktafeln. Darauf sind sonst in großen Lettern die Filmtitel und weitere Informationen auf den ersten Blick zu sehen.
Mehr als 60 Kinos sind mittlerweile auf der Webseite “Sleeping Screens” in tadelloser Qualität vertreten. Eine Auswahl ist in der Ausstellung zu sehen, die ermöglicht und organisiert wurde von Anika Wagner, die den Abend auch morderierte. Die Bilder stammen von überall aus der Welt: etwa aus Wien, London, Amsterdam, Bern, Los Angeles, New York. Die Botschaften ähneln einander – die Kinomacher haben überall die gleichen Schwierigkeiten.
“Wir wussten ja nach dem Anfang des Lockdowns zunächst gar nicht, wie lange das geht”, erzählte Rainer Erlenmaier, Co-Betreiber des Berliner Bundesplatzkinos, der gemeinsam mit Simon Dickel die Ideen umsetzte und die Fotos erstellte. “Wir sind dann die Berliner Kinos abgefahren, um erstmal ein Bild der Lage zu bekommen”, schilderte er. “Berlin war zu der Zeit wirklich eine tote Stadt”, ergänzte Dickel. “Plötzlich ist niemand mehr auf die Straße gegangen”. Die beiden nahmen sich vor, zu fotografierten, was sie sahen, und baten Freunde und Bekannte, ihnen weitere Bilder der Tafeln geschlossener Kinos zu schicken, “Das geschah jeweils durch einen persönlichen Kontakt.” Erlenmaier fügte hinzu: “Da entstand ja auch eine Art Leinwand. Das Traumstern war übrigens das erste Kino, das uns ein Foto seiner Tafel geschickt hat. Die waren uns schon ein Begriff als Programmkino der Oberklasse, da kommen wir nicht ganz ran”, lobte er die Arbeit der Licher Cinemaaktivisten. “Euer Kino ist wirklich ganz großartig”. Das Bild zeigt den Satz “Don’t lose the humour”, ein Zitat aus dem Film “Toni Erdmann”.
Schwierig war dann auch die Wiedereröffnung am 1. Juli mit begrenzter Platzzahl wegen der Hygienebeschränkungen. “24, wenn’s top läuft, es können aber auch nur 13 reinpassen. Man muss jetzt einfach mehr machen”, sagte Erlenmaier. “Wir haben für unsere Aktion ganz viel Zuwendung erhalten,” ergänzte Dickel. Nach dem Gespräch vor und mit dem Publikum im lauschigen Gartenlokal neben dem Kino trat das Licher Duo “The Naturehood” auf (Motto: “Unconditional music to love yourself!”). Jonas Noll (Gesang, Gitarre, Keyboard) und Maren Fischer (Gesang) legten einen Set aus zumeist selbst geschriebenen Songs vor und zeigten jede Menge Energie.
Und wie kamen sie eigentlich darauf, der Gruppe den Namen “Karin Dor” zu geben? Die deutsche Schauspielerin (1938-2017) war einst im deutschen Unterhaltungsfilm, wie Karl-May-Verfilmungen und zahllosen anderen Produktionen, sowie im Fernsehen überaus populär. “Ach, das kam zufällig durch eine Postkarte, auf der sie abgebildet war”, erklärte Erlenmaier. “Die fiel uns in die Hände, und da kam dann der Name.” Zur aktuellen Wiedereröffnung legte man im Berliner Bundesplatzkino eine Reihe mit Klassikern auf, “die jetzt etwa bei Universal und Studiocanal gegen eine geringe Mindestgarantie zu erhalten sind” – digitalisiert und in deutscher Fassung. “Das wollten wir schon immer machen, es war aber bisher kaum zu bezahlen”, seufzte er. Auch ihre Ausstellung hätten die Licher Kinomacher als erste in Deutschland eingeladen, sagte er, “Es sind noch weitere Interessanten für die ungewöhnliche Schau aufgetaucht.
Die auf den Anzeigetafeln präsentierten Texte sind einerseits ein kleiner Rundblick über die Welt des Kinos, man sieht viele geradezu traumhaft nostalgische Fassaden – es gibt also durchaus noch traditionelle Lichtspielhäuser neben den Abspielkolossen. Zum anderen drücken sie auch den Durchhaltewillen, die konstruktive Einstellung und den unverwüstlichen Humor der Kinoleute aus, was man auch an vielen der Inhalte sieht. Beispiel Tafeltext Cine Club Bern: “Sind kurz weg, Klopapier holen.” Und am Bundesplatz Studio Berlin stand: “Erst renovieren, dann projizieren”. Die Bilder können für 30 Euro pro Stück erworben werden, darin sind 10 Euro Solidaritätsbeitrag fürs Kino Traumstern enthalten.